Flavonoide

Allgemeines

Farben sind der „Sonnenschutz “ der Pflanzen! Je stärker die gefährliche UV-Bestrahlung ist, umso intensiver entwickeln sie ihre Farbenpracht und schützen damit ihre Pflanzenzellen. Flavonoide sind gelblich orange wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe (lat. flavus: blond, gelb), die zu den wichtigsten Wirkstoffen in der Phytotherapie gehören. Zahlreiche Flavonoide kommen reichlich in Obst und Gemüse vor, deshalb werden sie als semiessenziell bezeichnet. Der menschliche Körper nimmt täglich 50-1000mg Flavonoide mit der Nahrung auf und baut sie schnell und mühelos ab. Erst Drogen mit einem Gehalt von mindestens 0,53% Flavonoiden werden als solche bezeichnet. Reichliche Zufuhr flavonoidreicher Nahrungsmittel besitzt einen krankheitsvorbeugenden Effekt, u.a. weil Flavonoide über ein beträchtliches antioxidatives Potenzial verfügen. Das hat auch die Kosmetikindustrie entdeckt und setzt flavonoidhaltige Pflanzenauszüge vermehrt in Antifalten- und Sonnencremes ein.

Flavonoide sind im Pflanzenbereich weit verbreitet und kommen praktisch in allen Obst- und Gemüsesorten sowie in bestimmten Nüssen und Getreidesorten vor. In den folgenden Nahrungsmitteln sind besonders viel (ca. 50 mg/kg) enthalten: Brokkoli, Endivie, Grünkohl, Zwiebeln, Preiselbeeren, Tomaten(-saft), Rotwein, grüner Tee und schwarzer Tee (etwas weniger 10-50 mg/kg), Orangen, Äpfeln, Trauben, Kirschen und Kakao. Die Pflanze heilt mit Farben. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung in allen Farben des Regenbogens dient dem ganzen Körper, jeder einzelnen Zelle, den Augen, Ohren, dem Gehirn und es schmeckt.

Laut Studien werden die gesundheitlichen Vorteil der Flavonoide durch Milch (z.B. Milchschokolade oder Schwarztee mit Milch) zunichtegemacht, auch wenn bislang keine genaue Erklärung für diese Auswirkung von Milch gefunden wurde. Zwischen den Flavonoiden aus der Schokolade und bestimmten Milchproteinen soll sich Komplexe ausbilden, die nicht in die Blutbahn aufgenommen werden und daher vom Körper nicht verwertet werden können. Ob andere Lebensmittel einen ähnlichen Effekt auf Flavonoide haben, ist noch nicht bekannt, auch nicht, welche Inhaltsstoffe genau diese Komplexbildner sind - und weitere Studien haben das Ergebnis widerlegt. Was folgert man daraus? Wenn es nicht um den Genuss geht, sondern um puren medizinisch-gesundheitlichen Nutzen, die Getränke ohne Milch genießen.

Bislang sind über 6500 Flavonoide beschrieben. Diese Stoffgruppe wurde früher „Vitamin P“ genannt, weil sie u.a. die Gefäßpermeabilität regelt. Die damalige Bezeichnung „Vitamin P“ wurde in den 1950er Jahren aufgegeben, weil keine Vitamin-P-Mangel-Erscheinung beobachtet und durch den Begriff Bioflavonoide ersetzt wurde. Ihre therapeutischen antihämorrhagischen Eigenschaften wurden erst 1936 entdeckt. 


Pflanzenphysiologie

In den Pflanzen haben Flavonoide die Aufgabe, Bestäuber anzulocken und vor UV-Licht zu schützen. So finden sich die meisten Flavonoide an den sonnenbestrahlten Pflanzenteilen (Blütengewebe, Stängel, Blätter, Früchte oder Rinden); im Wurzelbereich fehlen sie meist, ebenso weitgehend in niederen Abteilungen wir Farnen oder Moosen. Mit der geografischen Höhe nimmt die Farbintensität der Pflanzen zu (UV-Sonnenschutz).

Färben sich im Herbst die Blätter gelb, dann entfärben sie sich eigentlich. Das Blattgrün (Chlorophyll) wird abgebaut, denn die Bäume holen sich daraus die „Mangelwaren“ Stickstoff und Magnesium zurück in den Stamm. Stickstoff ist wesentlich für das Wachstum der grünen Sprossteile, für Atmung und Assimilation. Zurück bleiben in den Blättern die gelben Farbstoffe: Flavonoide und Carotinoide, die keinen Stickstoff enthalten und somit entbehrlich sind; sie werden im folgenden Jahr wieder neu gebildet. Sie schützen die grünen Blätter vor Verbrennungen und helfen mit beim Einfangen von Sonnenlicht.

Flavonoide sind als zellsaftlösliche Pigmente im Zellsaft der Vakuolen gelöst. Aufgrund ihres ubiquitären Vorkommens wird vermutet, dass Flavonoide direkte biologische Funktionen ausüben, z.B. Anlockung von Insekten, Schutz gegen Insektenbefall und Virus- bzw. Pilzinfektionen sowie eine Beeinflussung von Wachstumsvorgängen.


Pflanzen mit Flavonoiden

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Wir bedanken uns herzlich bei der Autorin Ursel Bühring und den beiden Verlagshäusern Haug und Ulmer, über die Freigabe sämtlicher Angaben betreffend Pflanzeninhaltsstoffe.