Gerbstoffe
Allgemeines
In früheren Zeiten war das Gerben weit verbreitet: Man konservierte Tierhäute durch Gerben mit gerbstoffreichen Galläpfeln, Eichenrinde, Walnussschalen oder Blutwurz. Das Ausfällen der Eiweiße durch die Gerbstoffe überführt tierische Haut in Leder und macht sie dadurch haltbar. Heute werden in der Lederindustrie die pflanzlichen Gerbstoffe weitgehend durch anorganische Salze (Alaun, Chromsalze) ersetzt.
Die chemische Untersuchung der Gerbstoffe begann vor etwa 200 Jahren mit der Eichengalle. Ein Gallapfel dient als Behausung für Wespenlarven und entsteht durch einen Stich der Gallwespe (Cynips tinctoria) auf dem Vegetationspunkt junger Eichenblattknospen. Dieser Stich führt durch fehlgeleitete Wachstumsprozesse zu einer gerbstoffreichen Wucherung, dem Gallapfel, in dem die jungen Larven heranwachsen. Nach 5-6 Monaten bohren sie sich ein Flugloch und verlassen ihre Kinderwiege. Galläpfel türkischer Eichen enthalten bis zu 40-60% Gerbstoffe, die der chinesischen Eiche sogar bis zu 70%; sie sind somit die gerbstoffreichsten Substanzen, die wir kennen. Mithilfe von gerbstoffhaltigen Galläpfeln und Eisensalzen stellte man früher seine eigene Tinte her.
Die konservierende Wirkung beschrieb Shakespeare treffend: Hamlet: ,,Wie lange liegt wohl einer in der Erde, ehe er verfault?" 1. Totengräber: ,,Mein Treu, wenn er nicht schon vor dem Tode verfault ist, so dauert er euch wohl acht Jahre aus; ein Lohgerber neun Jahre." Hamlet: ,,Warum der länger als ein Anderer?" 1. Totengräber: ,,Ei Herr, sein Gewerbe gerbt ihm das Fell so, dass es eine lange Zeit das Wasser abhält..."
Pflanzenphysiologie
Gerbstoffe kommen vor allem in Rinden und Wurzeln vor. Sie haben für die Pflanze eine abgrenzende Funktion: Nach innen fungieren sie als Fäulnisschutz und verhindern das Eindringen von zu viel Nässe, Bakterien und anderen Schädlingen, nach außen dienen sie als Schutz vor Feuchtigkeitsverlust.
Pflanzen mit Gerbstoffen
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Wir bedanken uns bei der Autorin Ursel Bühring und den beiden Verlagshäusern Haug und Ulmer, über die Freigabe sämtlicher Angaben betreffend Pflanzeninhaltsstoffe.