Alkaloide
Allgemeines
Von jeher wurden rauscherzeugende Pflanzensäfte gewonnen, z.B. aus Schlafmohn, der „Traurigkeit und Zorn aus dem Herzen vertreibt“ (Homer). Überliefert ist aber auch der prophetische Rausch aufgrund von Bilsenkraut oder durch Dämpfe verglühender Stechapfelsamen, die hypnotisch auf Andächtigen den Tempeln wirkten - nicht nur dies verdanken wir alkaloidhaltigen Pflanzen. Auch die berüchtigten „Hexensalben“, Relikte von Kulthandlungen einstiger Priesterinnen, wurden im Wesentlichen aus Alkaloiddrogen hergestellt: Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel u.v.m.
Krankheiten wurden früher von Göttern als verhängte Strafen empfunden. Pflanzenkundige Priesterinnen und Schamanen, als Vermittler zwischen der Menschen- und der Götterwelt zurate gezogen, nutzten mithilfe von Ritualen Pflanzen, um daraus Wege zur Heilung zu erfahren. Halluzinogene Alkaloiddrogen spielten eine wichtige Rolle bei religiösen Zeremonien und schamanistischen Handlungen: Sieermöglichten, in andere Bewusstseinszustände zu gelangen und die gewohnten Grenzen der Wahrnehmung zu überschreiten. Pflanzen mit Alkaloiden bringen Heilung und Erkenntnis, Lust, Rausch und mystische Einsicht. Hexenmedizin und Schamanismus, tiefste Verehrung und Inquisition sind mit dem Begriff „Alkaloide“ verbunden.
Der Unterschied zwischen Gift und Heilmittel, Genussmittel und Rauschgift liegt darin verborgen. Ein altes Sprichwort bestätigt das: Der größte Zauberer ist derjenige, der am besten die Geheimnisse der Pflanzenwelt kennt! Morphin war das erste Alkaloid, das der Apotheker Fr.W. Sertürner 1803 isolierte. Er nannte die entdeckte Substanz Morphium, nach Morpheus, dem griechischen Gott des Schlafs. Es ist heute üblich, Alkaloiddrogen nach der Pflanze zu benennen, aus der sie gewonnen werden, z.B. Papaverin von „papaver“, Mohn, oder nach ihrer Wirkung, wie bei „Narcotin“, was „narkoseerzeugend“ bedeutet.
Man unterteilt Alkaloide in Protoalkaloide, einfach aufgebaute Basen wie die biogenen Amine (Tyramin, Histamin, Cholin, Ephedrin oder Mescalin), in Pseudoalkaloide deren N-Gehalt eher als zufälliges Merkmal anzusehen ist (Steroidalkaloide), und in echte Alkaloide die den Stickstoff immer zyklisch gebunden enthalten. Nach ihrer chemischen Struktur werden die Alkaloide weiter untergliedert, z.B. in Pyridinalkaloide (Nikotin im Tabak), Tropanalkaloide (Atropin in der Tollkirsche), Pyrrolizidinalkaloide (Tussilagin im Huflattich), Chinolizidinalkaloide (Cytisin im Besenginster)
Pflanzenphysiologie
Alkaloide sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Sie werden in komplizierten Biosyntheseschritten hauptsächlich in den stoffwechselaktiven Teilen der Pflanzen, also in Blattspitzen, Blütentrieben oder Wurzeln gebildet. Von dort aus können sie in verschiedenste Pflanzenteile transportiert werden, in Blätter, Früchte, Samen oder in die Rinde. Bis heute sind über 12.000 Alkaloide im Pflanzenreich bekannt, sie sind aber auch in Tieren zu finden (z.B. Stinktier, Kröten, tropische Frösche, Feuersalamander, Tausendfüßler). Nur eine Pflanze mit einem Mindestgehalt von 0,01% Alkaloiden kann noch als Alkaloidpflanze bezeichnet werden.
Alkaloide gehören zu den stärksten Giftpflanzen; die meisten sind neben ihrer Toxizität leicht flüchtig, verdunsten und halten damit andere Pflanzen fern, wie z.B. das Coniin des gefleckten Schierlings. Alkaloide dienen der Pflanze vorwiegend als Fraßschutz, ihr meist bitterer Geschmack hat Signalfunktion für so einige Räuber. Außerdem schützen sie vor Bakterien, Viren und Pilzen. Manche Alkaloide regen den Prozess des Blühens an und beschleunigen ihn. In wärmeren Gegenden sind Pflanzen alkaloidreicher. Einige Insekten nutzen die aufgenommenen Alkaloide als Vorstufe für die Biosynthese von Pheromonen.
In der Pflanze selbst dienen sie vermutlich dem Transport und der Speicherung von Stickstoff. Da die Alkaloidkonzentrationen in alternden Pflanzenteilen abnehmen, stellen Alkaloide wahrscheinlich keine Ausscheidungsprodukte des Pflanzenstoffwechsels dar wie bislang angenommen.
Pflanzen mit Alkaloiden
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